Schneegefangen im Museum – Hugos erste Nacht mit Gareth
Eingeschneit mit seinem arroganten britischen Gastkurator, gibt der Museumswächter in der ersten Nacht nach.
Der Schnee kam, als hätte jemand den Himmel aufgerissen. Hugo stand noch mit dem Schlüsselbund in der Hand im Foyer des Völkerkundemuseums, achtundzwanzig, Berliner durch und durch, ein bisschen zu lang für die billige Wachuniform und ein bisschen zu gutmütig für diesen Job, als die automatischen Türen mit einem müden Surren aufgaben. Draußen wirbelte es weiß. Drinnen piepste die Anlage einmal, dann war Stille, und die Glasflügel rührten sich nicht mehr.
„Na toll“, murmelte er und drückte den Notknopf. Nichts. Er drückte noch mal, fester, als könnte Ungeduld Elektronik überreden. Der Sturm presste sich gegen die Scheiben. Die Stadt war weg. Nur noch das Museum, die Wärme der alten Heizungen und das leise Ticken der Vitrinenbeleuchtung, die auf Nachtmodus ging.
Er hatte Feierabend machen wollen. Wollte noch beim Späti zwei Flaschen holen, vielleicht die eine Folge zu Ende schauen, in der niemand ihn angrinste, als wüsste er etwas. Stattdessen war er eingeschlossen. Mit dem Schnee. Und, wie sich herausstellte, nicht allein.
„Wenn du den Knopf noch einmal so liebevoll trittst, reicht er vielleicht eine Beschwerde ein.“
Hugo fuhr herum. Gareth lehnte am Informationsschalter, zweiunddreißig, britischer Gastkurator, Mantel über dem Arm, dieses freche Grinsen, das Hugo seit drei Wochen die Nachtschichten versaute. Dunkles Haar, ein bisschen zu ordentlich für einen Mann, der den ganzen Tag mit Masken und Provenienzakten verbrachte. Die obersten Knöpfe des Hemdes offen. Natürlich.
„Du solltest längst weg sein“, sagte Hugo.
„Die Bahn ist eingeschneit. Mein Hotel ist drei Stationen und eine Lebensgefahr entfernt. Und du“, Gareth tippte mit dem Schlüsselbund gegen die tote Tür, „bist offenbar der Einzige, der noch Schlüssel hat, die nichts mehr öffnen. Wir sind also ein Paar. Tragisch. Oder praktisch.“
Hugo spürte die Hitze im Nacken, die er seit Wochen wegscherzte. Gareth hatte ihn im Depot angemacht, ohne es auszusprechen. Hatte bemerkt, wie die Uniformhose saß. Hatte im Aufzug gesagt, Berliner Jungs seien entweder zu trocken oder zu feucht, und Hugo solle sich entscheiden. Hugo hatte mit einem „Halt die Fresse, Brite“ geantwortet und danach eine Stunde lang an nichts anderes gedacht als an genau diese Fresse.
„Ich ruf die Zentrale“, sagte er.
„Die Zentrale“, sagte Gareth milde, „hat vor zwanzig Minuten eine Mail geschickt. Sturm. Sicherheitsdienst bleibt, wo er ist. Türen bleiben, wo sie sind. Wir bleiben, wo wir sind. Klingt nach Schicksal. Oder nach sehr schlechter Gebäudeleitung.“
Hugo las die Mail auf dem Diensthandy. Tatsächlich. Bis morgen früh niemand. Er steckte das Handy weg und merkte, dass seine Handflächen feucht waren. Nicht vor Angst. Vor dem Wissen, dass die Hallen dunkel waren, warm, und dass Gareth ihn ansah, als hätte der Schneesturm nur auf seine Erlaubnis gewartet.
„Dann suchen wir uns ’ne Bank“, sagte Hugo. „Und du hältst Abstand. Ich kenn dich.“
„Du kennst mich gar nicht“, sagte Gareth und ging schon voraus, die Stimme hell vor Vergnügen. „Du kennst nur das, was du dir nachts vorstellst, wenn du so tust, als würdest du die Kameras prüfen.“
Hugo folgte ihm. Natürlich folgte er ihm.
Die afrikanische Halle roch nach Holz, Politur und dem alten Teppich, den niemand mehr auswechseln durfte. Die Masken hingen in ihren Kästen, Münder offen, Augen leer. Draußen schlug der Schnee gegen die hohen Fenster. Drinnen war es so still, dass Hugo Gareths Schritte hörte und darunter seinen eigenen Puls.
„Deine Uniform“, sagte Gareth, ohne sich umzudrehen, „ist ein Verbrechen. Die Hose. Wirklich. Wer hat die geschnitten? Jemand, der dich hasst, oder jemand, der dich sehr genau mag?“
„Jemand von der Verwaltung“, sagte Hugo. „Die hassen alle. Besonders den Arsch vom Wachpersonal. Steht so im Tarifvertrag.“
Gareth lachte, kurz und dreckig. „Dein Arsch steht nicht im Tarifvertrag. Der steht in der Hose, als wollte er raus. Seit du heute Nachmittag die Vitrine poliert hast, denk ich dran. Das ist unprofessionell von mir. Ich geb’s zu. Ich bin ein sehr schlechter Gast.“
Hugo blieb stehen. „Du redest, als wär ich ’n Ausstellungsstück.“
„Wärst du eins, würde ich dich nicht anfassen dürfen.“ Gareth drehte sich um. Das Grinsen war noch da, aber darunter lag etwas Schärferes. „Darf ich dich anfassen, Hugo? Irgendwann in dieser sehr langen, sehr eingeschneiten Nacht? Oder willst du weiter so tun, als wär dein Schwanz nicht schon seit dem Foyer halb hart?“
Hugo hätte kontern können. Er konnte immer kontern. Berliner Humor war sein letzter Schutz, wenn ihm die Ohren brannten. „Mein Schwanz ist ein eigenständiges Lebewesen“, sagte er. „Der interessiert sich nicht für britische Kuratoren. Der hat Prinzipien. Und ’nen sehr schlechten Geschmack, wie man hört.“
„Sehr schlecht“, stimmte Gareth zu und kam näher. „Er steht nämlich auf mich.“
Sie standen zwischen den Masken. Das Mondlicht, das durch den Schnee sickerte, legte sich silbern auf Gareths Wangenknochen. Hugo roch sein Aftershave, etwas Herbes, und darunter den langen Tag: Papier, Kaffee, Haut. Drei Wochen lang hatte Gareth ihn mit Blicken ausgezogen, in der Kantine, im Gang, einmal sogar während einer Führung, als Hugo nur die Tür hätte bewachen sollen. Drei Wochen lang hatte Hugo nachts die Hand um sich geschlossen und sich dabei geschämt und nicht geschämt.
„Ich bin scharf auf dich“, sagte Hugo, und es kam rauer raus, als er wollte. „Seit du das erste Mal ‚Kumpel‘ zu mir gesagt hast, als wär das ein Kompliment und eine Beleidigung gleichzeitig. Zufrieden? Kannst du’s jetzt lassen mit dem Theater?“
Gareth atmete aus, als hätte er auf genau diesen Satz gewartet. „Ich bin seit der ersten Woche scharf auf dich. Auf deinen Mund, wenn du frech wirst. Auf deine Hände. Auf die Art, wie du so tust, als wärst du tollpatschig, damit niemand merkt, wie genau du hinguckst.“ Er trat so nah, dass ihre Schuhspitzen sich berührten. „Ich will dich. Hier. Jetzt. Sag ja, oder sag nein. Beides ist in Ordnung. Aber lüg mich nicht an.“
Hugo legte die Hand an Gareths Brust. Das Hemd war warm. Darunter schlug es schnell. „Ja“, sagte er. „Verdammtes ja. Aber wenn du mich auslachst, beiß ich.“
„Versprochen wird nur das Lachen“, sagte Gareth, und dann küsste er ihn.
Es war kein vorsichtiger Kuss. Gareth nahm sich Hugos Mund, als hätte er drei Wochen lang nur darauf gewartet, die Tür zuzumachen. Hugo zog ihn an der Hüfte heran, spürte, wie hart er schon war, und lachte mitten in den Kuss hinein, weil es absurd war: Masken, Schnee, Uniform, und dieser freche Brite, der ihm die Unterlippe zwischen die Zähne nahm. Gareth lachte zurück, tief, und schob die Hand in Hugos Nacken.
„Hauptausstellung“, murmelte Hugo an seinem Mund. „Da ist mehr Platz. Und die Kameras in dem Flügel sind seit Dienstag tot. Hab ich gemeldet. Niemand hat’s repariert. Typisch.“
„Du planst ja richtig“, sagte Gareth.
„Ich plan gar nichts. Ich will nur nicht, dass mein Arsch morgen in der Sicherheitszentrale landet.“
„Dein Arsch landet heute woanders“, sagte Gareth, und Hugo schob ihn lachend den Gang hinunter, beide schon halb ineinander verhakt, die Schuhe zu laut auf dem Stein.
Die große Halle lag im Mondlicht. Vitrinen wie dunkle Inseln. Der Boden kühl, die Luft warm von den Heizrohren unter den Sockeln. Hugo drückte Gareth gegen eine freie Wand zwischen zwei Schaukästen, küsste ihn noch einmal, länger, und ging dann in die Knie, weil er es nicht mehr aushielt. Die Gürtelschnalle klirrte. Gareth half nicht. Er sah nur zu, die Hände locker an den Seiten, das Grinsen schon wieder da.
„So eilig“, sagte er. „Dabei hast du vorhin noch Prinzipien erwähnt.“
„Die Prinzipien sind gerade in der Hose“, sagte Hugo und zog den Reißverschluss auf. „Halt die Klappe und gib her.“
Gareth war hart, schwer in Hugos Hand, die Eichel schon feucht. Hugo atmete den Geruch ein, salzig, warm, und nahm ihn in den Mund, ohne weiter zu reden. Drei Wochen Vorspiel in einem einzigen, gierigen Zug. Er schmeckte ihn, spürte, wie Gareth die Hüften kaum merklich vorschob und dann doch stillhielt, die Finger plötzlich in Hugos Haar.
„Schau dich an“, sagte Gareth, die Stimme belegt und trotzdem frech. „Der brave Museumsaufseher. Kniet zwischen den Vitrinen und lutscht den Gastkurator, als wär das die eigentliche Führung. Tiefer, Hugo. Du kannst das. Du willst das doch so offensichtlich, dass es schon peinlich ist.“
Hugo nahm ihn tiefer, die Augen halb zu, die Hand um den Schaft, die andere an Gareths Oberschenkel. Er mochte das Gerede. Es machte ihn noch härter in der engen Uniformhose. Er saugte, ließ die Zunge unter der Eichel kreisen, zog sich zurück, nur um wieder hinunterzugehen, nass, hörbar, ohne Scham. Gareth fluchte auf Englisch, dann auf Deutsch, dann lachte er atemlos.
„Fuck. So. Genau so. Brave kleiner Berliner. Nimm ihn. Zeig mir, wie lange du schon dran denkst, wenn du nachts allein bist.“
„Halt’s Maul“, nuschelte Hugo um ihn herum, und Gareth zog ihn an den Haaren ein Stück zurück, nicht grob, nur genug, dass Hugo hochsehen musste. Speichel glänzte an seinem Kinn. Gareths Blick war dunkel und belustigt zugleich.
„Frag mich, ob du weiterblasen darfst.“
Hugo schnaubte. „Darf ich deinen verdammten Schwanz weiter lutschen, du eingebildeter—“.
„Ja“, sagte Gareth sofort, und die Finger lockerten sich. „Weil du so hübsch bettelst, wenn du so tust, als würdest du nicht betteln.“
Hugo nahm ihn wieder. Diesmal langsamer, gründlicher, eine Hand zwischen Gareths Beinen, die Eier vorsichtig gewogen, der Daumen, der über die empfindliche Stelle strich, bis Gareth die Wand mit dem Hinterkopf berührte und leise stöhnte. Hugo spürte das Zucken, das Warnsignal, und zog sich zurück. Er wollte ihn noch nicht kommen lassen. Noch nicht so.
„Genug Kulturprogramm“, sagte er heiser und stand auf. Seine Knie taten weh vom Stein. Es war ihm egal. „Ich will dich in mir. Hast du was dabei, oder sind Briten nur groß im Reden?“
Gareth zog aus der Manteltasche, die er irgendwo fallengelassen hatte, ein kleines Päckchen und eine Tube. Hugo starrte.
„Du läufst mit Gleitgel durch mein Museum?“
„Ich laufe mit Hoffnung durch dein Museum“, sagte Gareth. „Und mit sehr realistischen Erwartungen an Berliner Nächte. Hose runter. Gegen die Vitrine. Die stabile da. Nicht die mit den Perlen, die fällt um, und dann schreibt die Versicherung einen Roman.“
Hugo lachte, tatsächlich, mitten in der Geilheit, und stellte sich mit dem Gesicht zur Scheibe, die Hände auf dem kühlen Rahmen. Gareth zog ihm die Uniformhose und die Shorts bis zu den Knien, strich mit beiden Händen über seinen Arsch, einmal fest, einmal fast zärtlich, und Hugo drückte sich zurück, ohne nachzudenken.
„Ja“, sagte er, bevor Gareth fragen konnte. „Finger. Dann du. Ich will’s. Und red weiter, wenn du musst, aber fick mich auch.“
„Anspruchsvoll“, murmelte Gareth, und dann war da das kühle Gel, ein Finger, langsam, geduldig trotz allem Gerede. Hugo atmete gegen das Glas. Der Finger fand den Winkel, drückte, und ein heißes Ziehen lief ihm das Rückgrat hoch. Ein zweiter Finger. Hugo fluchte leise, Berlinerisch und undeutlich, und schob sich entgegen.
„So eng“, sagte Gareth an seinem Ohr. „Und so ungeduldig. Drei Wochen lang siehst du mich an, als wär ich ein Problem, und jetzt öffnest du dich, als hättest du nur auf den Schneesturm gewartet. Sag’s noch mal.“
„Fick mich“, sagte Hugo. „Bitte. Jetzt.“
Gareth zog die Finger raus, rollte das Kondom über, mehr Gel, und setzte an. Der erste Druck brannte kurz, dann gab Hugo nach, und Gareth schob sich hinein, Zentimeter um Zentimeter, eine Hand auf Hugos Hüfte, die andere flach auf seinem unteren Rücken. Hugo stöhnte, die Stirn gegen den Rahmen, und spürte, wie voll es wurde, wie richtig, wie lächerlich gut.
„Alles okay?“ fragte Gareth, und diesmal war kein Spott in der Stimme.
„Ja. Beweg dich. Bitte.“
Gareth bewegte sich. Erst langsam, tief, dann fester, die Hüften, die gegen Hugos Arsch klatschten, das Geräusch obszön in der stillen Halle. Hugo hielt sich am Rahmen fest und nahm jeden Stoß, die Uniformjacke noch zu, die Hose in den Kniekehlen, ein Bild, über das er später lachen würde und jetzt nur noch keuchen konnte. Gareth beugte sich über ihn, küsste seinen Nacken, biss leicht zu.
„Sieh dich an“, flüsterte er. „Aufgespießt im Mondlicht. Der Wächter, der nichts bewacht außer meinen Schwanz in seinem Arsch. Gefällt dir das? Sag’s.“
„Gefällt mir“, presste Hugo hervor. „Gefällt mir viel zu sehr. Härter.“
Gareth gab ihm härter. Der Rahmen knarrte. Irgendwo in einer Vitrine klirrte leise eine Kette gegen Glas. Hugo lachte atemlos, halb irre, halb glücklich, und Gareth lachte mit, ohne den Rhythmus zu verlieren. Es war dreckig und albern zugleich, genau die Mischung, die Hugo seit Wochen gefürchtet und gewollt hatte. Sein eigener Schwanz hing schwer zwischen seinen Beinen, tropfte auf den Stein. Gareth griff um ihn herum, strich einmal darüber, und Hugo zuckte so heftig, dass er fast die Stirn ans Glas schlug.
„Nicht hier kommen“, sagte Gareth. „Ich will dich auf mir sehen. Runter. Boden. Ich leg den Mantel hin, ich bin kein Unmensch.“
Sie lösten sich voneinander, beide fluchend über den Verlust, stolperten zwei Schritte, lachten, als Hugo sich in der eigenen Hose verhedderte. Gareth breitete den Mantel aus, ließ sich darauf nieder, den Schwanz nass und hart im Kondom, und sah hoch, die Augen glänzend.
„Komm her. Setz dich. Nimm dir, was du willst. Ich halt still, bis du sagst, dass ich’s nicht mehr soll.“
Hugo streifte Schuhe und Hose ganz ab, die Jacke auch, weil ihm heiß war, und stieg über ihn. Nackt bis auf die Socken, was Gareth mit einem erstickten Lachen quittierte. „Die Socken bleiben. Romantik hat Grenzen.“
„Halt die Fresse“, sagte Hugo und senkte sich. Die Eichel drückte wieder gegen ihn, und diesmal bestimmte er das Tempo. Er nahm Gareth Zentimeter für Zentimeter in sich auf, die Hände auf dessen Brust, die Oberschenkel zitternd, bis er ganz saß und beide einen Moment nur atmeten. Voll. Tief. Gareths Hände lagen auf seinen Hüften, warm, abwartend.
„Beweg dich“, sagte Gareth leise. „Reite mich. Zeig mir, wie gierig der brave Hugo wirklich ist.“
Hugo bewegte sich. Hoch, bis fast nur noch die Spitze in ihm war, dann hinunter, langsam zuerst, dann sicherer, der Winkel, der ihn jedes Mal innen streifte, bis ihm die Augen zufielen. Er fickte sich auf Gareths Schwanz, genau so, wie er es sich nachts vorgestellt hatte und nie zugegeben hätte: tief, selbstbestimmt, ein bisschen gemein im Tempo. Gareth hielt das Versprechen und lag still, nur die Finger, die sich in Hugos Hüften gruben, nur das heisere Lachen, wenn Hugo besonders tief ging und selbst überrascht stöhnte.
„So ist’s gut“, sagte Gareth. „Nimm ihn. Der ganze Schwanz gehört dir, solange der Sturm dauert. Schäm dich nicht. Du siehst aus, als wärst du dafür gemacht.“
„Ich bin für gar nichts gemacht“, keuchte Hugo, „außer vielleicht dafür, dich zum Schweigen zu bringen.“ Er beugte sich vor, küsste ihn, schmutzig, und ritt weiter, die Knie auf dem Mantel, der Stein hart darunter. Gareth küsste zurück, dann lachte er in Hugos Mund, als der Rhythmus ins Stolpern geriet, weil es zu gut wurde.
Sie wechselten, weil keiner von beiden stillhalten konnte. Gareth setzte sich auf, Hugo im Schoß, die Beine um ihn, und stieß von unten, während Hugo sich an seinen Schultern festhielt und ihm ins Ohr fluchte. Dann lagen sie seitlich, Gareth hinter ihm, ein Arm unter Hugos Hals, der andere um seinen Schwanz, langsame, tiefe Stöße, das Mondlicht auf ihren Schenkeln. Hugo drehte den Kopf, küsste ihn über die Schulter, sagte ja, ja, genau da, und Gareth gab ihm genau da, wieder und wieder, bis Hugo die Finger in den Mantel krallte.
„Ich kann auch“, sagte Hugo irgendwann, atemlos, „wenn du willst. Ich kann dich ficken. Nur damit du nicht denkst, du hättest hier das Monopol auf freche Bemerkungen.“
Gareth grinste gegen seinen Nacken. „Nächstes Mal vielleicht. Heute will ich in dir kommen. Wenn du das auch willst.“
„Will ich“, sagte Hugo, und es war keine Pose mehr. „Komm in mir. Aber fick mich dabei so, dass ich’s merke.“
Sie fanden zurück in die Position, die am tiefsten ging: Hugo auf dem Rücken, die Beine hoch, Gareth über ihm, die Stirn an seiner, kein Spott mehr im Tempo, nur noch Kraft und Nähe und das nasse Geräusch ihrer Körper. Gareths Hand um Hugos Schwanz, fest, im gleichen Rhythmus. Hugo sah ihm ins Gesicht und sah keine Führung mehr, keinen Witz, nur einen Mann, der ihn wollte, hier, auf einem Mantel zwischen Vitrinen, während draußen die Stadt im Schnee verschwand.
„Ich komm“, sagte Hugo. „Nicht aufhören. Bitte nicht.“
„Ich hör nicht auf“, sagte Gareth. „Komm. Ich hab dich.“
Hugo kam mit einem heiseren, fast überraschten Laut, heiß über Gareths Finger, über seinen eigenen Bauch, die Muskeln, die sich um Gareth zusammenzogen. Gareth fluchte, stieß noch dreimal, tief, und kam dann auch, das Gesicht in Hugos Hals vergraben, die Hüften zuckend, ein langes, gebrochenes Stöhnen, das nichts Freches mehr hatte. Sie blieben so, ineinander, atmend, der Schweiß kühl werdend auf der Haut, der Schneesturm ein fernes Rauschen an den Scheiben.
Eine Weile sagte niemand etwas. Hugo strich Gareth über den Rücken, langsam, und dachte, das war es also. Das, worauf er drei Wochen lang mit trockenem Mund gewartet hatte. Es war besser gewesen als in seinem Kopf. Alberner auch. Echter.
Gareth zog sich vorsichtig zurück, entsorgte das Kondom in einem Papiertaschentuch, half Hugo, sich mit einem zweiten notdürftig sauber zu wischen, und setzte sich dann neben ihn, nackt, die Knie angezogen, das Grinsen wieder an seinem Platz, als hätte es nur kurz Pause gemacht.
„Nicht schlecht für eine Zwangsnacht“, sagte er. „Du bist ein besserer Fick als die meisten Eröffnungen, auf die man mich schickt.“
Hugo lachte, aber es kam dünner raus als vorhin. „Danke. Glaub ich. Du auch. Also. Nicht die Eröffnung. Du weißt schon.“
Gareth stand auf und suchte seine Hose. Das Handy war aus der Tasche gerutscht und lag auf dem Stein, das Display hell, weil eine Nachricht durchgekommen war, trotz Sturm, trotz toter Türen. Hugo sah nicht hin. Er wollte nicht hinsehen. Er sah trotzdem.
Ein Name. Nils. Und darunter, kurz, auf Englisch: Landed early. Flat is warm. Don’t stay out too late, love. See you tomorrow night.
Gareth las es, ohne das Gesicht zu verziehen. Er tippte etwas, kurz, steckte das Handy weg und zog sich die Boxershorts an, als wäre nichts. Hugo saß noch auf dem Mantel, nackt bis auf die Socken, das Sperma trocknend auf seinem Bauch, und spürte, wie die Wärme aus dem Raum wich, obwohl die Heizung weiterlief.
„Du fliegst morgen“, sagte er.
„Übermorgen früh, eigentlich“, sagte Gareth leicht. „Nils hat den Flug vorgezogen. Er hasst es, wenn ich in fremden Städten übernachte, ohne ihm zu schreiben. Verständlich. Ich hab’s vergessen, mit dem Schnee und allem.“ Er sah Hugo an, freundlich, fertig, schon halb woanders. „War schön. Wirklich. Du bist ein guter Kerl. Und ein verdammt guter Mund, nebenbei.“
Hugo nickte. Er suchte seine Uniform, die Finger ein bisschen taub. Die Hose war innen nass vom Gel. Er würde sie morgen waschen müssen, bevor Sabine vom Empfang fragte, warum der Wachmann roch wie eine sehr schlechte Entscheidung. Draußen tobte der Schnee weiter gegen das Glas. Drinnen war es still. Die Masken sahen zu, mit ihren leeren Mündern, und sagten nichts.
„Dann war das nur die Nacht“, sagte Hugo.
Gareth knöpfte das Hemd zu, das freche Grinsen wieder ganz da, harmlos jetzt, fast kollegial. „Die Nacht war, was sie war. Schnee. Langeweile. Zwei Erwachsene. Mach dir keinen Kopf, Hugo. So was passiert. Morgen früh gehen die Türen auf, und wir tun so, als hätten wir Kaffee getrunken und über Provenienz gestritten. Kannst du das?“
„Kann ich“, sagte Hugo.
Er konnte es nicht. Er zog die Jacke über die nackte Brust, weil ihm kalt wurde, und setzte sich auf eine Bank am Rand der Halle, die Hände zwischen den Knien. Gareth räumte den Mantel zusammen, pfiff leise etwas Englisches und ging in Richtung der Büroräume, als gäbe es dort eine Couch und ein Ende, das sich lohnte. Hugo blieb sitzen. Zwischen seinen Beinen pochte es noch, angenehm und falsch zugleich. Er hatte ja gesagt. Er hatte alles gewollt. Das stimmte noch.
Was nicht stimmte, war der Nachgeschmack. Nicht Gareth in ihm. Der andere. Der warme Flat. Das love am Ende einer Nachricht, die Gareth gelesen hatte, ohne auch nur die Schultern zu heben. Hugo starrte auf die Vitrine, gegen die er sich vor einer Stunde noch hatte ficken lassen, und fragte sich, ob das Grinsen die ganzen drei Wochen nur geübt worden war. Ob er für Gareth je mehr gewesen war als ein verschneites Museum und ein Schwanz, der gerade zur Hand war.
Der Sturm ließ nicht nach. Die Türen blieben zu. Irgendwo im Gang lachte Gareth einmal, leise, über sein Handy. Hugo lachte nicht mit. Er zog die Knie an, roch noch nach ihm, und wünschte sich zum ersten Mal in dieser Nacht, der Schnee hätte sie nie eingeschlossen.
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